Frankreich: Thema Homo-Ehe polarisiert

Das ländlich-katholische Frankreich ist gegen die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben - wenig tolerant
Liberalität sollte eigentlich für Zuspruch in den Massen sorgen, zumindest in einer modernen, globalen Weltordnung. So dachte sich das jedenfalls Präsident Hollande, der mit der Ehe für Homosexuelle einen ebenso großen liberalen Beifall erhoffte. Doch der Widerstand der Kirche ist größer als gedacht, und die Protestbewegungen fangen an, das Land zu spalten. Dabei gibt es schon seit 1999 sogenannte „Pacs“, eingetragene Lebenspartnerschaften für Homosexuelle. Damit gab es ähnliche Steuer- und Erbrechte wie in der Ehe, aber das reichte den Lesben– und Schwulenverbänden nicht aus. Sie waren für volle Gleichberechtigung; Spanien und Portugal hatten es immerhin auch schon geschafft.
Der neue Gesetzesentwurf
Im November 2012 wurde dann ein Gesetzesentwurf von dem französischen Ministerrat entworfen, der die Eheschließung für Homosexuelle vorsieht, ebenso das Adoptivrecht. Zusätzlich soll noch ein gesondertes Gesetz im März beraten werden, dass eventuell vorsieht, die Fortpflanzungsmedizin von der staatlichen Krankenversicherung abdecken zu lassen. Doch erstmal hat Hollande genug mit dem ersten Gesetz zu tun, das Ende Januar im Parlament beraten werden und in Kraft treten soll.
Kampf zwischen Kirche und Staat
Der Kampf zwischen Kirche und Staat ist präsent, wie schon lange nicht mehr. Hollande hat eindeutig den Einfluss der katholischen Kirche in Frankreich unterschätzt, nun äußerte sich Papst Benedikt XVI. dazu und erklärte das traditionelle Bild der Familie als einzig Wahres. Demnach brauche ein Kind Vater und Mutter, daher sei es eine Zumutung, Homosexuellen das Recht auf Kinder einzuräumen. Eine heftige Debatte, die auch viele Psychologen und Psychiater auf den Plan ruft. Doch noch überraschender ist, dass es tatsächlich viele Protestbewegungen gegen das neue Gesetz gab, zwar ausgehend von der Kirche, doch unterstützt von vielen Teilen des Landes, Christen, Juden und Muslimen.
Spaltung des Landes
Verschätzt hat die Politik sich mit ihrer auf Paris-bezogenen Sichtweise. Sicherlich ist hier in der modernen Großstadt wenig Widerstand zu erwarten, doch das ländliche, eher wenig beachtete Frankreich ist geprägt von katholischen Wertvorstellungen und fühlt sich von der Regierung betrogen. Hollande steht nun zwischen den Fronten und versucht, den Kulturkampf so schnell wie möglich zu unterbinden. Durch seine Zurückhaltung gegenüber dem Fortpflanzungsgesetz fühlen sich die Schwulen- und Lesbenverbände wiederum vernachlässigt und befürchten durch die Revolte im Lande ein Zurückschrecken Hollandes.
Das streitfreudige Frankreich steht kurz vor einer Spaltung, die Regierung versucht indes in den Debatten neutral zu bleiben – so gut, wie es geht.
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