
Weltmeister Japan, Foto: westphalen_flickr
Japan ist Weltmeister. In einem packenden Endspiel bezwangen die Spielerinnen von Trainer Norio Sasaki die favorisierten US-Amerikanerinnen mit 5:3 nach Elfmeterschießen und feierten den ersten Titelgewinn in der Geschichte des japanischen Frauenfußballs. Sie bestätigten damit den Trend im modernen Fußball, weg vom bloßem Einsatz von Kraft, Physis und körperlicher Robustheit hin zu einem technisch anspruchsvollen und taktisch variablen Spiel mit wenigen Ballkontakten. Der FC Barcelona und die spanische Nationalmannschaft prägten diesen Stil und brachten ihn unter anderem im Champions League Endspiel gegen ein überfordertes Star-Ensemble von Manchester United zur Perfektion.
Im Erfolg Japans ist fast noch außergewöhnlicher als jener der spanischen Ballvirtuosen, da sich ihr Stil schon derart von den Vorgehensweisen ihrer Gegnerinnen unterscheidet, dass es sich fast um unterschiedliche Sportarten handelt. Während die US-Amerikanerinnen, die Schwedinnen und auch die Deutschen, meist mit langen Bällen das Mittelfeld zu überbrücken versuchen und im Sturmzentrum auf die körperliche Präsenz ihrer Stoßstürmerinnen, wie z.B. die famose Abby Wambach, setzen, lassen die Japanerinnen minutenlang den Ball in ihren eigenen Reihen zirkulieren, passen das Spielgerät dutzende Male zwischen den Mittelfeld-und Abwehrspielerinnen hin und her, um die gegnerische Mannschaft aus der Defensive zu locken. Tappen die Gegnerinnen in diese Falle spielen die zentralen Mittelfeldspielerinnen, wie die zur besten Spielerin des Turniers gekrönte Homare Sawa, blitzgescheite Pässe auf die wendigen und flinken Stürmerinnen, die aussehen als brächten sie kaum 40 Kilogramm auf die Waage, die jedoch so schnell und gefährlich sind wie Stechmücken im Amazonas.
Zu ihrer technischen Überlegenheit kommt die mentale Stärke der Mannschaft aus dem Land der aufgehenden Sonne. Bewusst sehen sie sich als Hoffnungsträger und Trostspender für jene die nach der Atom-Katastrophe von Fukushima alles verloren haben. Der Trainer sagt, manchmal müsse er seine Spielerinnen fast bremsen vor lauter Motivation. Durch ihr zurückhaltendes Auftreten vermeiden sie jedoch den etwas klebrigen Pathos der Amerikanerinnen, ihre Spielführerin Homare Sawa verehren die japanischen Spielerinnen wie eine spirituelle Führerin.
Eine Deutsche stand im Übrigen auch auf dem Frankfurter Rasen. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus leitete die hoch emotionale Partie gewohnt souverän.