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Dass sexuelle Selbstbestimmung schon lange kein Streitthema und selbstverständlich ist, könnte man meinen, wenn an Tagen wie dem Christopher Street Day viele Hundertausend Menschen friedlich zusammen auf der Straße feiern und niemand wegen seiner sexuellen Präferenzen angegriffen wird. Dass die Realität anders aussieht, ist vielen leider nicht klar. Selbst in Berlin, einer der Vorzeigestädte was Toleranz und Weltoffenheit angeht, werden immer wieder homophobe Übergriffe gezählt. Die Berliner Aktivistin Katayun Pirdawari ist dennoch froh, in Berlin zu leben. In ihrem Heimatland Iran werden nämlich immer noch martialische Geschütze aufgefahren.

Homosexualität ist im Iran offiziell verboten. Wer lesbisch ist und das an die Öffentlichkeit gerät, bekommt laut Gesetz Hundert Peitschenhiebe. Das hört sich nach mittelalterlichen Methoden an, wird jedoch tatsächlich praktiziert. Der- oder diejenige, die dreimal erwischt wird, wird gesteinigt. Um die Homosexualität einer Person festzulegen, braucht es vier Männer, die das bestätigen. Das kann deshalb auch schnell instrumentalisiert werden, und unliebsame Kollegen oder Verwandten können auf diese Weise beseitigt werden. In der Öffentlichkeit gibt es deswegen keine homosexuelle Szene.

Vor dem deutschen Asylgesetz gelten homosexuelle Menschen aus dem Iran nicht als politisch Verfolgte. Deshalb können Asylanträge abgelehnt werden. Viele Richter kennen sich mit der Situation im Iran nicht aus und begründen die Ablehnung damit, dass man als homosexueller Mensch im Iran wunderbar leben kann, solange man sich unauffällig verhält. Dass das einfacher klingt als es in der Realität ist, wird nicht gesehen. Auch darf man den gesellschaftlichen Druck nicht unterschätzen. Die Unterdrückung kommt nicht nur vom Gesetz her, sondern auch von den Menschen im Umfeld. Durch die gesellschaftliche Prägung ist ein normales Leben nicht möglich, Menschen werden, wenn sie nicht durch das gesetz bestraft werden, durch ihre Umgebung wie Aussätzige behandelt.

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