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Ist es so anders? von Kristina
Manchmal ist es schon seltsam, wie sich Dinge entwickeln können. Das Leben geht eben oft seinen eigenen Weg, ohne uns.
Ich weiß noch, wie sie einfach nur da war, ein Teil dieser Klasse, aber mehr nicht. Ich hab sie ein paar mal wirklich bewundert, weil sie so eine lockere und selbstbewusste Art hatte, eigentlich genau das Gegenteil von mir, aber ich hab sie nicht mal als eine Freundin von mir angesehen. Sie hatte die ihren und ich die meinen.
Doch eines Tages änderte sich alles.
Ich hatte auf einmal das Gefühl, das da etwas zwischen uns war, etwas das ich nicht erklären konnte, vielleicht eine Art Verbindung.
Ich ertappte mich desöfteren, wie ich meinen Kopf nach rechts wand, um sie sehen zu können und ich war enttäuscht, wenn mir jemand anderer die Sicht raubte.
Zu anfangs dachte ich mir noch nicht viel dabei, aber mit der Zeit merkte ich, dass ich etwas für sie empfand. Ich hatte tatsächlich Gefühle für ein Mädchen aus meiner Klasse. Zwar hatte ich mich nie wirklich für Jungs interessiert und ich wusste, dass ich lieber Mädchen mochte, aber dennoch, es war etwas ganz Besonderes für mich und zuerst war ich sogar wenigstens ein bisschen geschockt darüber.
Die Monate vergingen, die Sommerferien kamen und gingen, das neue Schuljahr begann.
Meine Gefühle für sie hatten sich nicht verändert, im Gegenteil, sie waren noch stärker geworden. Ich musste sie dauernd ansehen, ich musste ständig an sie denken, ich wusste, dass ich sie brauchte. Aber sie schien so weit weg.
Sie saß nicht weit von mir, aber zwischen uns schien so viel zu sein, dass sie so weit weg und unerreichbar für mich war.
In der Physik saß sie neben mir und obwohl ich dieses Fach noch nie ausstehen konnte, ich freute mich irgendwie auf jede Stunde, die wir so nah beieinader verbringen konnten. Ich versuchte, unauffälliger näher an sie heranzurücken, ich betrachtete sie die ganze Zeit verlegen von der Seite und am liebsten hätte ich ihre Hand in die meine genommen, über ihren Arm gestrichen oder mich einfach nur an sie gelehnt. Aber ich konnte nicht.
Ich kann ihr nicht zeigen, dass ich sie gern hab. Ich habe keine Chance dazu.
Ich habe einfach nicht den Mut dazu. Das Selbstbewusstsein, das sie hat, fehlt mir einfach.
Außerdem wie würde es denn aussehen, wenn zwei Mädchen zusammen waren? Ich war sowieso schon ein ziemlicher Außenseiter in der Klasse und viele fanden mich seltsam, was hätten sie wohl von mir gedacht, wenn sie wüssten, dass ich mich in ein Mädchen verliebt hatte? Für viele ist doch "schwul" oder "Schwuchtel" ein umgangsprachliches Schimpfwort, dass jede Pause bestimmt ein paar Mal einfach so dahin gesagt wird, gedankenlos, ob damit jemand verletzt werden könnte. Jedes Mal wenn ich es höre, bin ich innerlich zum einen wütend, zum anderen traurig.
Traurig, weil ich mich noch mehr ausgestoßen und nicht dazugehörig fühle. Aber was soll man machen? Die meisten sind, glaub ich, ziemlich abgeschreckt, selbst die jungen Leute, von denen es heißt, sie wären eine liberale Generation, die nach vorne strebt.
Sie und ihre Nähe, nach der ich mich so sehne, spielt sich nur in meinen Gedanken ab, wo ich mit ihr zusammensein kann, sie umarmen kann, sie küssen kann, ohne dass andere spotten.
Die Schule wird mit der Zeit oft eine Qual. Ich sitze im Unterricht, denke an sie und kann dabei dem Lehrer teilweise nicht richtig zuhören. Wenn ich an meine hoffnungslose Situation denke, möchte ich am liebsten anfangen zu weinen. Dazu kommt die Angst, dass jemand etwas merken könnte.
Oft hab ich es auch schon getan, wenn ich nach Hause kam. Kaum hatte ich die Türe hinter mir geschlossen, flossen Tränen über mein Gesicht.
Genau wie heute, wo ich nach Hause kam, nach dem letzten Tag vor den Weihnachtsferien.
Ich liege auf meinem Bett, weine und denke nur an sie.
Ich fühle mich mies, abgelehnt, dabei sollte die Liebe doch etwas Schönes sein.
Und schließlich schreibe ich diesen Text, weil ich verzweifelt bin, weil ich mich niemandem mitteilen kann.
Immer wieder schleicht sich eine Frage in meine Gedanken: Ist meine Liebe denn so eine andere?
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